Innovation für Verpackungsglas: Leichtere Geb...

Innovation für Verpackungsglas: Leichtere Gebinde dank neuer Härtungstechnologie aus der Schweiz

Emhart Glass, Produzentin von Glasverarbeitungsmaschinen mit Hauptsitz in Cham ZG, hat ihre neue Technologie zur Herstellung von thermisch gehärtetem Verpackungsglas zur Reife gebracht. In Zusammenarbeit mit der Verpackungsglasgruppe Vetropack in Bülach wird das Verfahren jetzt unter industriellen Produktionsbedingungen kommerzialisiert. Laut Emhart Glass, die zur Maschinenbaugruppe Bucher Industries gehört, erforderte die Entwicklung grossen Aufwand. Das Härtungsverfahren stellt einen Meilenstein für robustere und leichtere Glasbehälter dar, so die Firma. Der kommerzielle Einführungsprozess wird den Angaben nach mehrere Jahre dauern.

 

Flachglashärtung erstmals für Verpackungsglas nutzbar gemacht

Seit über 80 Jahren wird Flachglas zu Sicherheitsglas thermisch gehärtet. Als weltweit erster Hersteller von Anlagen für die Produktion von Glasbehältern gelang es Emhart Glass den Angaben zufolge, die Eigenschaften von gehärtetem Flachglas auch für Verpackungsglas nutzbar zu machen. Die patentgeschützte Hartglastechnologie wurde im Emhart Glass Research Center in den USA in der eigenen Glasproduktionsanlage entwickelt, die ausschliesslich für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben eingesetzt wird. Das Verfahren erlaubt entweder eine deutliche Erhöhung der Bruchfestigkeit oder eine Gewichtsreduzierung von Verpackungsglas. In der Praxis wird eine beliebige Ausbalancierung dieser beiden Eigenschaften zur Anwendung kommen, erwartet Emhart Glass.

Das Verfahren kann Mehrwegflaschen bei gleicher Abfüllleistung im Gewicht deutlich zu reduzieren. Bei einem Falltest aus 1,5 Metern Höhe auf hartem Untergrund zerbrechen nur ganz wenige gefüllte Flaschen, während konventionelle Flaschen in der Regel zerbrechen. Gehärtete Glasbehälter können wie normales Verpackungsglas rezykliert werden.

 

Keine Verfahrensumstellung

Das Härtungsverfahren kommt hinter der Glasformungsmaschine zum Einsatz und kann deshalb unabhängig von dieser eingesetzt werden. Es besteht aus einer gleichförmigen Aufheizung der Glasbehälter auf die Härtungstemperatur von knapp 700 °C und einer Vorrichtung, welche die Glasbehälter innen und aussen schockartig und gleichmässig abkühlt. Zur Prüfung der gehärteten Glasbehälter wurde ein neues Prüfverfahren entwickelt, das durch mehrere Patente geschützt ist.

 

 Kommerzialisierung Schritt für Schritt

Die weitere Vermarktung der Technologie ist abhängig vom erfolgreichen Verlauf der Industrialisierung, die nun in Zusammenarbeit mit Vetropack unter kommerziellen Produktionsbedingungen erreicht werden soll. Die hohe Kapitalintensität von Anlagen zur Herstellung von Glasbehältern lässt auf einen vorsichtigen Einführungsprozess der Glasbehälterindustrie schliessen. Deshalb erwartet Emhart Glass, dass der Markteinführungsprozess mehrere Jahre dauern und ein entsprechend moderater Umsatzanstieg aus dieser neuen Technologie resultieren wird.

 

Start 2012 in Österreich

Im Vetropack-Werk in Pöchlarn, Österreich, wird gegen Ende 2012 die Anlage zur thermischen Härtung von Glasbehältern installiert und anschliessend erstmals in einem industriellen Produktionsprozess eingesetzt werden. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Emhart Glass und Vetropack notwendig, heisst es.

 

Infos zu Emhart Glass und Vetropack

Emhart Glass ist Teil der gruppe Bucher Industries und ein Anbieter für Technologien zur Herstellung und Prüfung von Glasbehältern. Das Angebot umfasst Glasformungs- und Inspektionsmaschinen, Anlagen, Komponenten und Ersatzteile sowie Beratung und Service für die Glasbehälterindustrie. 2010 erzielte die Emhart Glass mit rund 870 Mitarbeitenden einen Umsatz von 259 Mio. Franken Ende Juni 2011 erwarb Emhart Glass am chinesischen Marktführer Sanjin eine Beteiligung von 63%. Sanjin erzielte 2010 mit rund 1200 Mitarbeitenden einen Umsatz von rund 40 Mio. Euro.

Die Vetropack-Gruppe verfügt mit ihren sieben Glaswerken und insgesamt 16 Schmelzwannen über eine Produktionskapazität von über 4000 Tonnen Verpackungsglas pro Tag. 2010 erwirtschaftete die Gruppe, in der rund 3000 Mitarbeitende beschäftigt sind, einen Umsatz von 643 Mio. Franken.

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