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Seco-Prognose: Wirtschaftseinbruch 2020 weniger stark als befürchtet

Die Expertengruppe des Bundes rechnet für 2020 mit einem Rückgang des Sportevent-bereinigten BIP der Schweiz von 3,8 % (Prognose von Juni: −6,2 %). Dies wäre der stärkste BIP-Rückgang seit 1975.

Am Arbeitsmarkt ist mit weiteren Rückgängen der Beschäftigung zu rechnen. Die Arbeitslosenquote sollte 2020 bei jahresdurchschnittlichen 3,2 % zu liegen kommen (Prognose von Juni: 3,8 %). Damit sind die Aussichten für 2020 weniger negativ als Mitte Jahr befürchtet. Im weiteren Verlauf sollte die Dynamik nachlassen.

Mit der Lockerung der gesundheitspolitischen Massnahmen setzte Ende April eine zügige Aufholbewegung der Schweizer Wirtschaft ein; sowohl die Konsum- als auch die Investitionsnachfrage übertrafen im 2. Quartal die Erwartungen. Die Kurzarbeit wurde deutlich weniger stark in Anspruch genommen als im Juni erwartet. In der Summe stellt sich das erste Halbjahr 2020 weniger negativ dar als in der Prognose von Juni angenommen. Die Expertengruppe geht davon aus, dass sich die Aufholbewegung der Schweizer Wirtschaft im 3. Quartal fortgesetzt hat.

Im weiteren Verlauf sollte sich die Erholung der Schweizer Wirtschaft in einem moderaten Tempo fortsetzen. Die Expertengruppe erwartet, dass das Sportevent-bereinigte BIP 2021 um 3,8 % steigt (Prognose von Juni: 4,9 %). Damit würde die Wirtschaftsleistung der Schweiz erst gegen Ende 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Dies setzt voraus, dass weder in der Schweiz noch bei den wichtigsten Handelspartnern ein weiterer breitflächiger Lockdown verhängt wird. Dann sollten sich Konsum- und Investitionsausgaben im Inland schrittweise erholen, wenn auch belastet durch Einkommensausfälle und die weiterhin grosse Unsicherheit.

Das internationale Umfeld dürfte 2021 von einer gewissen Heterogenität geprägt sein. So werden die tourismusorientierten südeuropäischen Länder besonders stark unter der Corona-Krise leiden. Andere Länder, darunter die USA und Deutschland, sollten sich zügiger davon erholen. Insgesamt kehrt die Weltwirtschaft nur zögerlich zu den Vorkrisenständen zurück. Das bremst die konjunktursensitiven Bereiche der Schweizer Exportwirtschaft. Weitere Risiken für die Weltkonjunktur gehen vom internationalen Handelskonflikt aus. Ein «harter» Brexit, wie er derzeit wahrscheinlicher erscheint, würde die fragile Konjunktur zusätzlich belasten. Auch bleibt die Gefahr von Finanzmarktturbulenzen und eines weiteren Aufwertungsdrucks auf den Franken hoch.

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