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Nachrichten | 28.06.2019

Studie: Europäische Unternehmen horten die höchsten Lagerbestände weltweit

Seit Mitte 2018 horten europäische Unternehmen – grosse Firmen ebenso wie mittelständische – ungewöhnlich hohe Lagerbestände. Im März 2019 erreichte die Lagerbestandsquote in der Eurozone (basierend auf den Auftragseingängen der Industrie gemäss Einkaufsmanagerindex, EMI) einen neuen Rekordwert – den höchsten Stand seit 2012 und höher als irgendwo sonst auf der Welt. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des weltweit tätigen Kreditversicherers Euler Hermes mit Sitz in Wallisellen und Trib Rating, dem Rating-Service von Euler Hermes Rating in Zusammenarbeit mit Moody’s für europaweit einheitliche Ratings für mittelständische Unternehmen.

Am stärksten aufgestockt haben neben spanischen und italienischen vor allem die deutschen Unternehmen. Die Gründe für die überquellenden Lager sind die steigenden globalen Unsicherheiten, insbesondere ab der zweiten Jahreshälfte 2018, der schwächelnde Welthandel sowie die Nachfrage, die sich in einigen Branchen noch schwächer entwickelt hat, als zunächst erwartet.

Das Horten der europäischen Unternehmen betrifft in der Folge auch die Exportnation Schweiz, wie Stefan Ruf, CEO von Euler Hermes Schweiz erläutert: «Die gestiegenen Lagerbestände in der Eurozone werden zu weniger Bestellungen von europäischen Abnehmern in der Schweiz führen. Dies dürfte für die Schweizer Exportindustrie spürbar werden.»

Bei grossen Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe in der Eurozone stiegen 2018 die durchschnittlichen «Days Inventory Outstanding» (DIO) – also die Zeitspanne, die ein Unternehmen benötigt, um seine Bestände in Umsatz umzuwandeln – um vier Tage auf 52 Tage (2017: 48 Tage). Den grössten Lageraufbau wiesen dabei Unternehmen in Spanien (+11 Tage) und Deutschland (+6 Tage) auf. Auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Europa legten bei den Lagerbeständen deutlich zu. Die durchschnittlichen DIO stiegen um vier Tage auf 58 Tage. Die grössten Zuwächse verzeichneten Mittelständler in Italien (+9 Tage) und Deutschland (+6 Tage).

«Die Rekordbestände erfordern entsprechende Gegenmassnahmen», sagt Kai Gerdes, Direktor Analyse bei Euler Hermes Rating. «Das bedeutet, dass wir Anpassungen sowohl bei der Produktion als auch bei den Preisen sehen werden, um den Abverkauf zu beschleunigen. Schliesslich kosten hohe Lagerbestände neben Platz vor allem viel Geld.» Tatsächlich bewerteten die im Juni 2019 befragten europäischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes den aktuellen Lagerbestand selbst als «zu gross». «Das ist erheblich und der Abbau hinterlässt voraussichtlich deutliche Spuren bei Inflation und Wirtschaftswachstum: Die Inflationsrate würde mit den Anpassungen sowohl 2019 als auch 2020 sinken. Zudem dürften die ‚Hamster-Lager‘ das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Euroraum 2019 negativ beeinflussen. Dies dürfte um 0,3 Prozentpunkte auf +1,2% sinken. 2020 ist dann wieder eine leichte Erholung in Sicht.»

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