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Nachrichten | 29.07.2021

Kunststoffbranche blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft – Sorge bereiten die explodierenden Rohstoffpreise und die Materialknappheit

Die Kunststoffindustrie hat sich von den Folgen der Corona-Krise schneller erholt, als ursprünglich erhofft. Die Unternehmen gehen davon aus, dass sich dieser positive Trend fortsetzt. Doch die Stimmung in der Branche ist getrübt, denn: Explodierende Rohstoffpreise, dramatische Materialknappheit sowie Versorgungsengpässe aufgrund brüchiger Logistikketten setzen die Unternehmen gewaltig unter Druck. Zu diesem resümierenden Ergebnis kommt der „41. KI Dialog“, die aktuelle Umfrage zur Konjunktur in der Kunststoffbranche des Wirtschaftsinformationsdienstes „KI – Kunststoff Information“ mit Sitz in D-Bad Homburg vom Juli 2021. Seit 2001 befragt KI im halbjährlichen Rhythmus Führungskräfte der Kunststoffindustrie u.a. zu Geschäftsverlauf und -erwartung, Investitionen und Beschäftigung. An der aktuellen Umfrage nahmen 491 Unternehmen teil.

Wie vehement die Konjunktur in diesem Jahr nach Monaten des coronabedingten Stillstands wieder angesprungen ist, zeigen die Antworten der Unternehmen auf die Frage nach der Beurteilung ihrer Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2021 gegenüber den letzten sechs Monaten 2020. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen sind der Meinung, ihr Geschäft habe sich positiv entwickelt und nur jedes zehnte beklagt eine Verschlechterung.

Besonders positiv: die mit Recycling beschäftigten Unternehmen. Sie freuen sich nahezu unisono (95 Prozent) über eine Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung. Kein Wunder: Das Thema Nachhaltigkeit und Rezyklate dominiert derzeit die Diskussion sowohl in der Branche wie auch in der breiteren Öffentlichkeit. Immer mehr Markenartikler und Abnehmer von Kunststoffprodukten verlangen von ihren Zulieferern den verstärkten Einsatz von Rezyklaten, und auch die Entsorgungsdienstleister erleben einen Boom.

Nach ihren Erwartungen für die Geschäftsentwicklung im zweiten Halbjahr 2021 befragt, geben sich die Unternehmen vorsichtig optimistisch: Jedes dritte Unternehmen geht davon aus, dass es in den kommenden sechs Monaten mehr Geschäft machen werde als im vergangenen halben Jahr. Etwa die Hälfte glaubt, dass die Geschäfte sich auf demselben Niveau bewegen würden, und lediglich jeder siebte Befragte rechnet mit einer Verschlechterung der Lage.

Grosse Sorge bereiten den Unternehmen die Rohstoffpreise und die allgemeine Materialknappheit, nicht zuletzt aufgrund der chaotischen Lage in der Logistik. Schuld an der Versorgungsmisere sind unter anderem die massenhaften Force Majeure-Meldungen von Seiten der Rohstofflieferanten. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Chemiekonzern den ungeplanten Stillstand seiner Produktion meldete. Neun von zehn Befragten des „KI Dialogs“ haben inzwischen leidvolle Erfahrung mit dem Thema Vorprodukte und Lieferzuverlässigkeit gesammelt. Die vollkommen zerborstenen globalen Lieferketten und das Chaos bei der Containerschifffahrt tun das Ihre, um die Rohstoffpreise explodieren zu lassen.

Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Die Hälfte der Befragten rechnet mit einer Entspannung der Lage frühestens vom kommenden Jahr an. Und knapp jedes zehnte Unternehmen wagt sich an gar keine Prognose und konstatiert, dass die Normalisierung der Situation „unabsehbar“ sei. Die Konsequenz: Immer mehr Unternehmen wollen ihren Lieferanten wechseln oder planen zumindest eine Ausweitung ihres Lieferantennetzwerks, um ihr „Klumpenrisiko“ bei der Materialversorgung zu verringern.

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