Verband Handel Schweiz: Schweizer Händler im ...
Verband Handel Schweiz

Schweizer Händler im Krisensog

Der weltweite Handel steht auf dem Prüfstand. Ukraine-Krieg, Covid-Strategie der Chinesen, Sanktionen im russischen Wirtschaftsraum, die Bestrebungen der USA, die technologische Abhängigkeit von China zu reduzieren, die geplante weitere Digitalisierung der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft sowie der Aufbau neuer Energie-Infrastrukturen in Europa – all diese Entwicklungen treiben parallel die Transformation des globalen Handels voran. Rudolf O. Schmid, seit Juni 2022 Präsident von Handel Schweiz, betonte am Mediengespräch des Dachverbands des Schweizer Handels: «Die Schweiz und ihre Händler sind aufgefordert, sich in den veränderten Handelsstrukturen zu bewegen und anzupassen. Als kleines Land profitiert die Schweiz vom grossen Vorteil, den Abschottungen nur teilweise zu unterliegen.»

Das zeigen auch die aktuellen Zahlen. Für das dritte Quartal 2022 stiegen die Exporte insgesamt um 1,3 Prozent. So wurden 4,9 Prozent mehr Uhren exportiert. Während im Export nach Europa ein Minus von 4,4 Prozent verzeichnet wurde, stieg jener nach China um 19,3 Prozent. Auch die Prognosen lassen die Schweizer Händler hoffen. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich erwartet für das Jahr 2022 eine Steigerung des BIP um 2,3 Prozent sowie eine sinkende Inflation ab Mitte 2023; diese sollte bis zum Jahresende 2023 nur noch bei 2 Prozent liegen. Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, erklärte die relativ stabile Lage im Schweizer Aussenhandel: «Der Krisenmodus ist für viele im globalen Handel tätigen Firmen bis zu einem gewissen Grad der Normalfall.»

Umfrage unter 33 Mitgliederverbänden im Handel

Handel Schweiz wollte es genauer wissen und hat seine 33 Mitgliederverbände zum Aussenhandel befragt. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass in den vergangenen Monaten die Hälfte der Handelsbranchen den Umsatz im Aussenhandel um bis zu 50 Prozent erhöhen konnte. Knapp ein Drittel beklagt einen Einbruch von bis zu 20 Prozent. Die durch den Ukraine-Krieg, steigende Rohstoffpreise und mögliche Energieengpässe ausgelösten Krisen wirkten sich unterschiedlich stark auf den Aussenhandel aus. 93 Prozent der Handelsbranchen waren mit den Auswirkungen der höheren Rohstoffpreise konfrontiert. Der Ukraine-Krieg und die zukünftigen Energieengpässe verändern den Aussenhandel jeweils in 77 Prozent der Firmen. Knapp ein Drittel der Händler spart bereits Energie ein oder baut alternative Energielösungen auf. Die drei Krisenbereiche führen vor allem zu Mehraufwand in den Handelsfirmen und zu Problemen auf den Lieferketten. Dem wirken die Händler nach wie vor mit grösseren Lagern entgegen, was den Liquiditätsbedarf in der ohnehin kapitalintensiven Handelsbranche weiter erhöht.

Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände mit insgesamt 4000 Unternehmen angehören. Der Handel ist mit 680.000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber der Schweiz.

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