Zwei neue Marktstudien sagen Biokunststoffen ein rasantes Wachstum voraus. Die US-amerikanische Marktforschungsfirma Freedonia Group erwartet zwischen 2010 und 2015 eine Verdreifachung des globalen Marktvolumens auf 1 Mio. Jahrestonnen und einen Umsatz von 2,9 Mrd. US-Dollar. Die Marktforscher der Ceresana Research sind etwas weniger euphorisch und sagen bis 2018 eine durchschnittliche jährlich Steigerung von 17,8 Prozent auf 2,8 Mrd. US-Dollar voraus. Das sind nicht die ersten Prognosen, die kräftiges Wachstum für Biokunststoffe vorhersagen. Bisher waren die Prognosen aber stets zu optimistisch, wie Matthijs de Geus von der Empa St. Gallen am Empa-Workshop Bioplastics am 27. September aufzeigte (siehe Pack aktuell vom 15. Oktober 2011).
Die Freedonia-Studie
Die Freedonia-Studie "World Bioplastics" ist eine Aktualisierung der 2009 publizierten gleichnamigen Studie. Als Gründe für das prognostizierte Wachstum nennt die Studie verbesserte Materialeigenschaften, die Einführung von biobasierten Standardkunststoffen sowie den Umstand, dass die Konsumenten nachwachsende Materialien bevorzugen. Auch erwartet Freedonia, dass die Ölpreise weiter steigen und herkömmliche Standardkunststoffe im Vergleich zu Biokunststoffen preislich weniger deutlich im, Vorteil sind wie aktuell.
Die Ceresana-Studie
Das Marktforschungsinstitut Ceresana Research geht in seiner Studie auch auf die künftige Aufteilung der Biokunststoffmärkte ein. Danach war 2010 Europa wichtigster Absatzmarkt für Biokunststoffe mit einem Anteil von rund 48% am weltweiten Verbrauch, gefolgt von Nordamerika und Asien-Pazifik.
In den nächsten acht Jahren wird sich die Aufteilung der Nachfrage auf die Weltregionen deutlich ändern. Ceresana prognostiziert, dass in Zukunft Asien-Pazifik und Südamerika den Biokunststoffmarkt massgeblich beeinflussen werden. Asien-Pazifik wegen einer dynamischen Entwicklung bei Verbrauch und Produktion, Südamerika vorwiegend durch massive Produktionssteigerungen von Bio-Polyethylen in Brasilien.
Zwischen den Regionen zeigen sich auch deutliche Unterschiede bei der Entwicklung der einzelnen Biokunststoff-Typen. Die Nachfrage nach PLA soll in Nordamerika bis zum Jahr 2018 voraussichtlich um jährlich 12% zulegen, in Asien-Pazifik um knapp 17%. p.a.
Im Jahr 2010 wurden am häufigsten stärkebasierte Kunststoffe nachgefragt, gefolgt von Polymilchsäure (PLA). Knapp 17% des weltweiten Verbrauchs machten die sonstigen biobasierten Kunststoffe wie PHA/PHB, Cellulose und PBS sowie biologisch abbaubare Kunststoffe auf fossiler Basis aus. Insgesamt dominierten damit die biologisch abbaubaren Kunststoffe mit einem Anteil von ca. 92% gegenwärtig den Biokunststoffmarkt. Bis zum Jahr 2018 wird die Gruppe der nicht biologisch abbaubaren Kunststoffe, die jedoch auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, ihren Anteil von aktuell 8% auf über 47% steigern.
Aktuell zu den wichtigsten Nachfragern zählen die Hersteller von Taschen und Beuteln. An zweiter Stelle kommt der Bereich Füllmaterial, dicht gefolgt von Verpackungen und Folien. Die Automobil- und Elektronikindustrie sowie sonstigen Anwendungen, zu denen Cateringprodukte, Hygieneartikel, Textilien, Sport und Freizeitprodukte zählen, machen knapp ein Fünftel der Nachfrage aus.
Bei Taschen und Beuteln sowie bei Füllmaterialien sind in den
nächsten Jahren weitere Zuwächse zu erwarten. Die
wachstumsstärksten Bereiche werden jedoch Verpackungen und Folien
sowie die Automobil- und Elektronik-Industrie sein.

